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Knackfuß, Hermann J. W.
Wissen/Sieg 11.8.1848 - 17.5.1915 Altenkirchen/Kassel

Biographie

Der Sohn des Malers und Rentmeisters Eduard Knackfuß studierte 1869 bei Eduard Bendemann und 1870 bei Eduard v. Gebhardt an der Düsseldorfer Akademie. Er diente während des Krieges 1870/71 als Einjährig-Freiwilliger in einem Husarenregiment. Nach Düsseldorf zurückgekehrt, erhielt er 1874 für zwei Historienbilder den großen Staatspreis, der mit einem dreijährigen Rom-Stipendium (1875-1878) verbunden war. 1878 heiratete er Angela Imhof, die Tochter des Schweizer Bildhauers. 1880 berief ihn Louis Kolitz an die Kasseler Akademie, wo er neben der Malerei Anatomie und seit 1890 auch Kunstgeschichte lehrte. 1881 war er zum Professor ernannt worden. Knackfuß gab eine Reihe von Künstlermonographien heraus, zu der er selbst zwölf Bände verfasste (Verlag Velhagen und Klasing), die wesentlich zur Popularisierung der Kunstwissenschaft in Deutschland beitragen. 1888 folgte eine "Deutsche Kunstgeschichte", 1897 eine "Allgemeine Kunstgeschichte" in drei Bänden. Kaiser Wilhelm II. zog Knackfuß als Berater heran, versorgte ihn mit Aufträgen und ließ sich von ihm auf Reisen begleiten (z. B. 1898 nach Palästina). Knackfuß unternahm Reisen nach Italien, Griechenland, Kleinasien und Spanien. 1908 erschien seine grundlegende "Geschichte der Königlichen Kunstakademie zu Kassel". 1913 gestaltete er den Festzug zur Tausendjahrfeier in Kassel. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges diente er als Freiwilliger bei den Wacheinheiten der Kriegsgefangenenlager in Niederzwehren (Kassel), wo er 1915 einer Epidemie zum Opfer fiel.
Knackfuß war vor allem Historienmaler. Seine Hauptwerke gingen im 2. Weltkrieg verloren. Zu ihnen zählten in Kassel das Deckengemälde "Borussia, die Provinz und die Stadt Kassel beschirmend" im Treppenhaus des Regierungsgebäudes, das Wandgemälde "Überreichung des Corpus Juris an Kaiser Justinian" im Justizgebäude (1881) und das Deckenfresko "Frau Holle" im Treppenhaus des neuen Rathauses (1911/12). Weitere Werke entstanden für den Bahnhof in Straßburg (1883) und die Ruhmeshalle im Berliner Zeughaus (1884). Er schuf außerdem Altarbilder, Bildnisse und Illustrationen. Frischer als die großen Auftragsgemälde sind seine Skizzen und Entwürfe, die in ihrer lockeren Malweise und Lichtfülle den Einfluss des Impressionismus zeigen.

Ausst.-Kat. Gedächtnis-Ausstellung Hermann Knackfuß, Kunstverein Kassel 1915; E. Zöllner, Die Knackfuß-Gedächtnis-Ausstellung im Kasseler Kunstverein, in: Hessenland 29 (1915), S. 311-312; Thieme-Becker 20 (1927), S. 560-562; Ch. Stolz, Hermann Knackfuß. Monographie über einen im 19. Jahrhundert in Wissen geborenen Künstler, in: Wissener Beiträge zur Geschichte und Landeskunde 12 (1975); Bruckmann 1997-1998 2, S. 249-250, Abb. S. 249.

Die Schlacht im Teutoburger Wald
bez. u.r.: H.Knackfuß Febr. 1890.
Material: Leinwand
Maße: 72 x 90,5 cm
Datierung: 1890
Provenienz: erworben 1977 als Geschenk der Wilhelmschule Kassel
Inv.-Nr.: 1875/1678


Dargestellt ist eine Szene der Hermannsschlacht (9 n. Chr.) im Teutoburger Wald. Hermann, hoch zu Ross den Römern mit seinen Kriegern in einer geschützten Waldgegend auflauernd, gibt den Befehl zum Angriff.
Wahrscheinlich diente das grisailleartige Gemälde als Vorlage zur lithographischen Vervielfältigung (vgl. 1875/1677).

Ausst.-Kat. Gedächtnis-Ausstellung Hermann Knackfuß, Kunstverein Kassel 1915, Kat.-Nr. 122; Ch. Stolz, Hermann Knackfuß. Monographie über einen im 19. Jahrhundert in Wissen geborenen Künstler, in: Wissener Beiträge zur Geschichte und Landeskunde 12 (1975), S. 41.

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