Malerei 19. Jh. >> Übersicht




Riepenhausen, Franz Friedrich
Göttingen 1788 - 3.1.1831 Rom
Riepenhausen, Johannes Christian
Göttingen 1788 - 11.9.1860 Rom

Biographie

Franz Friedrich und Johannes Christian, die Söhne und Schüler des Göttinger Kupferstechers Ernst Ludwig Riepenhausen, erhielten ihre weitere Ausbildung bei Wilhelm Tischbein, der 1800 nach Göttingen gekommen war und ihr Interesse an klassischen Konturen durch die gemeinsame Arbeit an den Rekonstruktionen der Homerillustrationen Polygnots schulte. 1804 gingen die Brüder zu Johann Heinrich Tischbein d. J. nach Kassel und 1805 zu Ferdinand Hartmann nach Dresden, wo sie mit dem Romantikerkreis in Kontakt kamen und zum Katholizismus übertraten. Noch im gleichen Jahr zogen sie mit den Brüdern Reck und Carl Friedrich v. Rumohr über München nach Rom. Dort lebten beide bis zu ihrem Tode und folgten teils nazarenischen, teils klassizistischen Vorbildern.
Die ständige und enge Zusammenarbeit der Brüder lässt den Anteil des einzelnen kaum erkennen, häufig signierten sie sogar gemeinsam. Ihre Bedeutung liegt mehr in ihrer Rolle als Anreger und Vermittler, als in ihrem eher gefälligen, selten schöpferischen Werk.

Thieme-Becker 28 (1934), S. 337-338; Börsch-Supan 1994 Ausst.-Kat. Stendal 2001, Börsch-Supan 1994.

Wer kauft Liebesgötter?
bez. (auf dem Band des Gewandes der Aphrodite): Franz und Johannes
Material: Holz
Maße: 52 x 40,5 cm
Datierung: 1806
Provenienz: erworben 1935 von Mathilde Richter, Hirschberg/Riesengebirge
Inv.-Nr.: 1875/1321


Aphrodite sitzt in ganzer Figur, gekleidet in ein rosafarbenes Gewand mit grünem Umhang, auf einem niedrigen Felsen. Sie hält mit der rechten Hand eine Amorette an den Flügeln hoch, während ihre Linke eine zweite, an ihr Knie gelehnte Amorette ebenfalls am Flügel fasst. In den mit einem Blumenkranz und dem Motto "CHI COMPRA" geschmückten Käfig am rechten oberen Bildrand sind drei weitere Putti eingeschlossen. Aphrodite zu Füßen steht links ein Schmuckkasten mit einem Fächer, einer Perlenkette und einem Tuch. Dahinter blickt man über einen Teich mit zwei Schwänen in eine tiefer gelegene, weite Landschaft.
Die Aphrodite ist im Kopftypus an das Gemälde der "Leda" aus dem Leonardo Kreis in der Kasseler Gemälde angelehnt (Inv. Nr. GK 966). Dieser Bezug bildet den Anhaltspunkt für die Datierung, denn die "Leda" gelangte 1806 als französische Kriegsbeute nach Paris (J. M. Lehmann, Italienische, französische und spanische Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts, Kataloge der Staatlichen Kunstsammlungen Kassel, Bd. I, Fridingen 1980, S. 130-133). Die Signatur auf dem Brustband der Aphrodite erinnert an Michelangelos Pietà in St. Peter in Rom.
Eine zweite leicht variierte Fassung größeren Formats befand sich 1941 bei Antiquitäten Greiner und Zietz in Berlin (heute Galerie Grünwald, München). Eine kleine Feder-Zeichnung, die wohl aus dem Umkreis der Brüder Riepenhausen stammt (Graphische Sammlung Inv. Nr. GS 1308) zeigt statt der Hintergrundslandschaft einen Innenraum, statt des runden einen eckigen Käfig und anstelle des an Aphrodites Knie gelehnten Putto einen nach vorne laufenden.
Das Thema der Amorettenverkäuferin stammt aus der Antike. Vorbild ist ein pompejanisches Fresko, welches sich heute im Nationalmuseum in Neapel befindet (L. Curtius, Die Wandmalereien Pompejis, Darmstadt 1960, Tafel VI). Um 1800 wurde es wiederholt in der Literatur und Kunst aufgegriffen: J. W. v. Goethe, Die Liebesgötter auf dem Markte. Musenalmanach fürs Jahr 1796, hg. v. J. H. Voß, Hamburg 1796

Kat. Kassel 1958, S. 124-125, Nr. 932, Abb.; Herzog 1969 a, S. 62; H. Wille, Wer kauft Liebesgötter? In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte 11 (1972), S. 157-190, Abb. 14; Kaiser 1976, S. 22, Abb. 16; U. Eichler, Des Lebens Frühling eilt dahin, beglückt, wer ihn genießt, in: Studien zur Kunst. Gunther Thiem zum 60. Geburtstag, Stuttgart 1977, S. 33-38; U. Eichler, Wer kauft Liebesgötter? Eine neu entdeckte Riepenhausenzeichnung in der Galerie Carroll München, in: Weltkunst 48 (1978), S. 896-897, Abb. 3; Ausst.-Kat. Stendal 2001, Kat.-Nr. VI. 5, S. 184-186.

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