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Embde, August von der
Kassel 4.12.1780 - 10.8.1862 Kassel

Biographie

Der Sohn des Schreinermeisters Johann Bernhard von der Embde aus Böminghausen im Upland (Waldeck) erlernte zunächst ebenfalls das Schreinerhandwerk. 1799-1804 studierte er an der Kasseler Akademie, wo Wilhelm Böttner, Ernst Ferdinand Robert, Andreas Range und Gottlieb Kobold seine Lehrer waren. Anschließend bereiste er, unterbrochen von längeren Aufenthalten in der Heimat, mehrere Jahre deutsche Residenzen und Kunstzentren: Bayreuth (1803-1804), Dresden, Düsseldorf (1805-1806), Gotha, Erfurt, Weimar. Er kopierte die alten Meister und studierte an den Akademien von München (1812) und Wien (1814). In Wien scheint er durch den Einfluss der Füger-Schule, vor allem des Historien- und Porträtmalers Joseph Abel, Anregungen für seinen Bildnisstil bekommen zu haben.
Die Rückkehr Kurfürst Wilhelms I. von Hessen-Kassel aus dem Exil 1813 ließ ihn in Kassel, wo er sich dann endgültig niederließ, lange vergeblich auf eine Hofmalerstelle hoffen. Zusammen mit Ludwig Hummel, Andreas Range, Sebastian Weygandt und Ludwig Sigismund Ruhl arbeitete er 1818-1819 an 22 lebensgroßen Bildnissen hessischer Landgrafen für die kurfürstliche Ahnengalerie, die 1837 an den Wandfeldern des zentralen Kuppelsaales von Schloss Wilhelmshöhe installiert wurden (im 2. Weltkrieg zerstört). Die verwandtschaftliche und freundschaftliche Beziehung zur Familie Henschel - er hatte 1808 Charlotte, eine Schwester des Bildhauers Werner und des Fabrikanten Karl Anton Henschel, geheiratet - verschafften ihm Zugang zu einem Kunst und Literatur pflegenden Kreis um die Brüder Grimm und zahlreiche Bildnisaufträge aus dem gehobenen Bürgertum und dem hessischen Hof- und Landadel. Seit den 30er Jahren wandte Embde sich der Genremalerei zu und schuf zahlreiche hessisch-ländliche Kinderszenen. Die letzten Arbeiten dieser Art entstanden vielfach in Zusammenarbeit mit seinen Töchtern Caroline und Emilie. Dieser Umstand erschwert oft die eindeutige Unterscheidung der Arbeiten vor allem zwischen August und seiner begabten ältesten Tochter Caroline.
August von der Embde ist dem wesentlich bekannteren Biedermeiermaler Ferdinand Georg Waldmüller vergleichbar. Gemeinsam sind beiden die Wurzeln eines Studiums der alten Meister und einer soliden, traditionellen Ausbildung sowie eine scharfe Beobachtungsgabe und Sinn für das Detail. Daraus entwickelten sie nahezu gleichzeitig das bürgerliche Einzel- und Familienporträt des Biedermeier, das sich durch lebhafte Charakterisierung, sinnliche Stofflichkeit, Detailrealismus und überzeugende Naturnähe auszeichnet. Ebenso wandten sich Waldmüller und v.d. Embde in späteren Jahren einem zwischen Detailrealismus und Idealisierung angesiedelten Bauerngenre zu und erfreuten sich auch dadurch großer Beliebtheit beim bürgerlichen Publikum.

Katzenstein 1901 b, S. 311; Thieme-Becker 10 (1914), S. 495-496; G. Ganßauge, August von der Embde (1780-1862)/Maler, in: Lebensbilder 6 (1958), S. 55-74; G. Ganßauge, Der Maler August von der Embde, in: Mein Waldeck, Beilage der "Waldeckischen Landeszeitung" für Heimatfreunde, Nr. 15, August 1969; Herzog 1985, S. 324; Himmelheber 1988, S. 296; A. Baeumerth, August von der Embde, in: Hessenpark 1990, S. 5.

Selbstbildnis in altdeutscher Tracht
bez. verso: J. August von der Emde alt 31 Jahr
Material: Holz
Maße: 20 x 16,6 cm
Datierung: 1811
Provenienz: erworben 1945/50
Inv.-Nr.: AZ 1140


Brustbild mit olivgrünem Schultertuch, blauem, geschlitztem Barett und leichtem Backenbart. Die Initiale in der rückseitigen Signatur steht für Julius. Diesen Vornamen verwendete Embde nur in seiner Frühzeit.

G. Ganßauge, August von der Embde (1780-1862)/Maler, in: Lebensbilder 6 (1958), S. 56, Anm. 4; Ausst.-Kat. Kassel 1996, Kat.-Nr. 27.

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