Friedrich Wilhelm Müller



Friedrich Wilhelm Müller


Inventar Nr.: AZ 4106
Bezeichnung: Friedrich Wilhelm Müller
Künstler / Hersteller: Louis Kolitz (1845 - 1914), Maler/in
Dargestellt: Friedrich Wilhelm Müller (1801 - 1889), Dargestellt
Datierung: 1885
Objektgruppe: Gemälde
Geogr. Bezug: Kassel
Material / Technik: Holz
Maße: 73,5 x 57,3 cm (Bildmaß)
Leihgeber: Stadt Kassel, Städtische Kunstsammlungen
Beschriftungen: Signatur: bez. u.l.: L. Kolitz
Signatur: bez. o.r.: Aetatis suae 84
verso: LEIHGABE V. SCHWEDES
verso Stempel: NACHLASS PRF. LOUIS KOLITZ (o. Nr.)


Katalogtext:
Das als „wohl das beste Bildnis von Kolitz“ gerühmte Gemälde (Gronau) zeigt den vierundachtzigjährigen Friedrich Wilhelm Müller als Brustbild en face vor dunklem Hintergrund. Im schwarzen Rock, trägt er eingelegt einen gestreiften Schal, am Revers schräg und mit einem Zacken unter den Rock gesteckt an rotem Band das Offizierskreuz der Ehrenlegion. Konzentriert auf eine Farbzusammenstellung von Schwarz, Grau, Weiß und Rot, ist das Gemälde auf starken Hell-Dunkel-Kontrasten aufgebaut: das hell erleuchtete Gesicht mit dem feinen, silbrig glänzenden Haar hebt sich prägnant vom Dunkel des Hintergrundes und der Kleidung ab. Vor der dunklen Hintergrundsfolie hat Kolitz das plastische Volumen des zerfurchten Greisengesichts sorgfältig herausgearbeitet. In feinsten Pinselstrichen wird unterschiedliche Materialität von Haut, Haaren und Stoff markiert. Kolitz nähert sich hier einem fast fotografisch anmutenden Illusionismus. Gewinnt der Pinselstrich in den gleichzeitigen Porträts seiner Kinder als dynamisches und pastoses Element Eigenleben, so ist er hier einer einheitlichen glatten Oberfläche untergeordnet, die Farbe wird dünn und lasierend aufgetragen. Doch meint „glatt“ hier nicht „gefällig“ im Sinne einer akademischen Bildsprache. Die “altmeisterliche“ Perfektion der Durchführung erscheint vielmehr als Reverenz an die Person des Dargestellten.
Müller (14.10.1801 – Kirchditmold – 8.2.1889) war von 1832 bis 1875 Professor an der Kasseler Akademie, seit 1867 auch stellvertretender Direktor. Einige seiner kunstpädagogischen Reformvorschläge versuchte später Kolitz als Akademiedirektor durchzusetzen (vgl. Karl-Heinz Nowotny: Friedrich Müllers kunstpädagogische Reformideen aus dem Jahre 1836. Ein Beitrag zur Geschichte der Kasseler Kunstakademie. In: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, 75./76. Bd. [1964/65], S. 569-585)
- ein Hinweis auf Kolitz’ Wertschätzung des Dargestellten.
Vgl. die Tuschpinselzeichnung „Studie zu Friedrich Müller“ (um 1885).



Literatur:
  • Heraeus, Stefanie; Tipton, Susanne: Künstlerbildnisse. Porträts von Tischbein bis Beuys. Malerei, Graphik und Skulptur aus eigenen Beständen. Kassel 1996, S. 63-64, Kat.Nr. 58.
  • Heinz, Marianne; Lysko, Sylvia [Bearb.]; Küster, Bernd [Hrsg.]: Neue Galerie. Meisterwerke. Kassel [u. a.], S. 38, Kat.Nr. 12.
  • Mävers, Sophie-Luise: Reformimpuls und Reglungswut. Die Kasseler Kunstakademie im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Eine Studie zur Künstlerausbildung im nationalen und internationalen Vergleich. Darmstadt/Marburg 2020.


Letzte Aktualisierung: 15.12.2020


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