Caritas



Caritas


Inventar Nr.: 1875/1003
Bezeichnung: Caritas
Künstler / Hersteller: Ludwig Sigismund Ruhl (1794 - 1887)
Datierung: um 1820
Objektgruppe: Gemälde
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Holz
Maße: 44 x 34,8 cm (Bildmaß)
Beschriftungen: verso Klebeetikett: 1003
verso auf dem Rahmen Klebeetikett: 1003; Landesmuseum
verso auf dem Rahmen Klebezettel: F. J. Nr. 1003


Katalogtext:
Caritas sitzt das nackte, jüngste Kind in den Armen haltend auf einer Steinbank. Sie trägt ein grünes Kleid mit roten Ärmeln und einen blauen Mantel. Der braun gekleidete, an ihr Knie gelehnte Knabe rechts neben ihr hält in der Linken ein Buch, stützte den Kopf in die Rechte und blickt nach oben. Links neben der Caritas steht hinter der Steinbank ein Mädchen in hellblauem Kleid und betrachtet sich im Spiegel. Die Gewänder der Figuren sind insgesamt mit einer feinen Goldborte verziert. Im Hintergrund blickt man in eine Frühlingslandschaft mit einem breiten Fluss, über den sich eine dreibogige Brücke spannt, und schneebedeckten Bergen am Horizont.
Die drei Kinder stehen für Gottesliebe (Knabe mit Gebetbuch) und irdische Liebe (Mädchen mit Spiegel, einem Vanitassymbol), der Knabe auf dem Arm der Caritas symbolisiert Mutter- und Nächstenliebe. Die Frühlingslandschaft weist darauf hin, dass sich die Erde unter der Herrschaft der Caritas verjüngt. Zum Bedeutungsgehalt gehört auch die Anlehnung an eine Madonnenkomposition der Renaissance: Maria mit dem Christuskind als Urbild der Caritas. Auf die beziehungsreiche Ikonographie des Bildes spielt Naglers Beiwort "sinnvoll" an. Sie steht nicht mehr im Zusammenhang mit mittelalterlichen und barocken Caritas-Darstellungen (vgl. hierzu RDK 3, Sp. 343-356). Der Spiegel z. B. kommt dort nicht vor. Die Ikonographie des Bildes ist eine Neuschöpfung der Romantik. Sein Inhalt sowie sein Autor wurden im Laufe des 19. Jh. vergessen. Nach der Übernahme des Gemäldes in die Kasseler Galerie 1866 bezeichnete man es als "Nazarener, Mutter mit drei Kindern". Die stilistische Verwandtschaft mit Ruhls "Flucht nach Ägypten" erlaubt, ihn als Autor des Gemäldes zu bestimmen. Kurfürst Wilhelm II. von Hessen-Kassel und sein Sohn Kurprinz Friedrich Wilhelm besaßen mehrere Gemälde aus der Nazarenerphase Ruhls, außer der "Caritas" und der "Flucht nach Ägypten", einen "Christus", einen "Hl. Georg" und "Drei singende Engel", die beiden letzteren befinden sich heute in der Hessischen Hausstiftung, Schloss Fasanerie bei Fulda.



Literatur:
Nagler 14 (1845), S. 33-34; Kat. Kassel 1877, S. 85, Nr. 1014; Kat. Kassel 1888, S. 408, Nr. 726; B. Schleicher (Hg.), Märchenfrau und Malerdichter. Malwida von Meysenbug und Ludwig Sigismund Ruhl. Ein Briefwechsel, München 1929, S. 9; B. Rechberg-Heydegger, Ludwig Sigismund Ruhl (1794-1887). Leben und Werk, Phil. Diss., Gießen 1973, G 8


Letzte Aktualisierung: 15.12.2020


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