Wer kauft Liebesgötter?



Wer kauft Liebesgötter?


Inventar Nr.: 1875/1321
Bezeichnung: Wer kauft Liebesgötter?
Künstler / Hersteller: Franz Friedrich Riepenhausen (1786 - 1831)
Johannes Christian Riepenhausen (1787 - 1860)
Datierung: 1806
Objektgruppe: Gemälde
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Holz
Maße: 52 x 40,5 cm (Bildmaß)
Beschriftungen: Signatur: bez. auf dem Band des Gewandes der Aphrodite: Franz und Johannes


Katalogtext:
Aphrodite sitzt in ganzer Figur, gekleidet in ein rosafarbenes Gewand mit grünem Umhang, auf einem niedrigen Felsen. Sie hält mit der rechten Hand eine Amorette an den Flügeln hoch, während ihre Linke eine zweite, an ihr Knie gelehnte Amorette ebenfalls am Flügel fasst. In den mit einem Blumenkranz und dem Motto "CHI COMPRA" geschmückten Käfig am rechten oberen Bildrand sind drei weitere Putti eingeschlossen. Aphrodite zu Füßen steht links ein Schmuckkasten mit einem Fächer, einer Perlenkette und einem Tuch. Dahinter blickt man über einen Teich mit zwei Schwänen in eine tiefer gelegene, weite Landschaft.
Die Aphrodite ist im Kopftypus an das Gemälde der "Leda" aus dem Leonardo Kreis in der Kasseler Gemälde angelehnt (Inv. Nr. GK 966). Dieser Bezug bildet den Anhaltspunkt für die Datierung, denn die "Leda" gelangte 1806 als französische Kriegsbeute nach Paris (J. M. Lehmann, Italienische, französische und spanische Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts, Kataloge der Staatlichen Kunstsammlungen Kassel, Bd. I, Fridingen 1980, S. 130-133). Die Signatur auf dem Brustband der Aphrodite erinnert an Michelangelos Pietà in St. Peter in Rom.
Eine zweite leicht variierte Fassung größeren Formats befand sich 1941 bei Antiquitäten Greiner und Zietz in Berlin (heute Galerie Grünwald, München). Eine kleine Feder-Zeichnung, die wohl aus dem Umkreis der Brüder Riepenhausen stammt (Graphische Sammlung Inv. Nr. GS 1308) zeigt statt der Hintergrundslandschaft einen Innenraum, statt des runden einen eckigen Käfig und anstelle des an Aphrodites Knie gelehnten Putto einen nach vorne laufenden.
Das Thema der Amorettenverkäuferin stammt aus der Antike. Vorbild ist ein pompejanisches Fresko, welches sich heute im Nationalmuseum in Neapel befindet (L. Curtius, Die Wandmalereien Pompejis, Darmstadt 1960, Tafel VI). Um 1800 wurde es wiederholt in der Literatur und Kunst aufgegriffen: J. W. v. Goethe, Die Liebesgötter auf dem Markte. Musenalmanach fürs Jahr 1796, hg. v. J. H. Voß, Hamburg 1796; H. F. Füger, "Porträt der Prinzessin Lubomirska als Amorettenverkäuferin" (A. Stix, Heinrich Friedrich Füger, Wien/Leipzig 1925, Tafel XXVII); Joh. Heinrich Wilhelm Tischbein, "Verkauf von Liebesgöttern" (Ausst.-Kat. Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Gedächtnis-Ausstellung, Landesmuseum Oldenburg 1930, S. 41, Kat.-Nr. 270). Vgl. dazu auch Ferdinand Schuberths Gemälde "Kauft Liebesgötter", datiert 1851, im Kunstpreisjahrbuch 1 (1986), S. 420, Abb.



Literatur:
Kat. Kassel 1958, S. 124-125, Nr. 932, Abb.; Herzog 1969 a, S. 62; H. Wille, Wer kauft Liebesgötter? In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte 11 (1972), S. 157-190, Abb. 14; Kaiser 1976, S. 22, Abb. 16; U. Eichler, Des Lebens Frühling eilt dahin, beglückt, wer ihn genießt, in: Studien zur Kunst. Gunther Thiem zum 60. Geburtstag, Stuttgart 1977, S. 33-38; U. Eichler, Wer kauft Liebesgötter? Eine neu entdeckte Riepenhausenzeichnung in der Galerie Carroll München, in: Weltkunst 48 (1978), S. 896-897, Abb. 3; Ausst.-Kat. Stendal 2001, Kat.-Nr. VI. 5, S. 184-186.


Letzte Aktualisierung: 15.12.2020


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